Das westfälische Provinzialschulschiff „Klarzumwenden“ im Emder Hafen, 1908. (Repro: LWL-Industriemuseum)

Vortrag

Am Donnerstag, 2. Mai 2019, um 19 Uhr lädt der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, Witten e.V. zum Vortrag ins Märkische Museum Witten ein.

 

Es spricht Dr. Olaf Schmidt-Rutsch (Hattingen) zum Thema „Die westfälischen Provinzialausbildungsschiffe in Emden – eine vergessene Geschichte“.

 

Mit dem Ersten Weltkrieg endete vor 100 Jahren auch ein heute weitgehend unbekanntes Kapitel regionaler Sozialfürsorge. Für zehn Jahre unterhielt der Provinzialverband Westfalen in Emden eigene Ausbildungsschiffe, um junge „Fürsorgezöglinge“ für den Seemannsberuf vorzubereiten. Der Weg dorthin war lang und schwer. Er dauerte drei Jahre und führte von den Emder Schulschiffen zunächst auf die ostfriesischen Heringsfänger, wo die Jungen während der monatelangen Fangreisen die Härten des Berufs bei Wind und Wetter kennen lernten. Die Arbeit öffnete jedoch die Tür in die Handelsschifffahrt oder sogar zu den populären Kriegsschiffen der Kaiserlichen Marine, die den aus schwierigen Verhältnissen stammenden Jungen verschlossen geblieben wären.

 

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Gesetzesänderung die Fürsorgezahlen gerade in den industriellen Ballungsräumen extrem anstiegen, kam der westfälische Landeshauptmann Hammerschmidt auf die Idee, nach britischem Vorbild stationäre Ausbildungsschiffe einzurichten, auf denen Jungen für einen bestimmten Zeitraum für den Seedienst vorbereitet werden sollten. In Emden, seit 1899 „Seehafen des Ruhrgebiets“, traf er auf offene Ohren, fehlten doch der seit der Reichsgründung mit staatlicher Förderung aufgebauten Heringsfängerei regelmäßig Mannschaften. Schienen die Rahmenbedingungen in Emden gut, so traf das „soziale Experiment“ besonders in der deutschen Seeschifffahrt auf engagierten Widerstand. Die Heranziehung von Fürsorgezöglingen als maritimen Nachwuchs passte nur schwerlich in das positive Bild, das im wilhelminischen Deutschland, dessen „Zukunft auf dem Wasser“ lag, von der Bedeutung der Schifffahrt in der Öffentlichkeit gezeichnet wurde.

 

Der Vortrag berichtet von Ursprung und Entwicklung der Schulschiffidee, die zu den westfälischen Ausbildungsschiffen führten, von der Gestaltung der Ausbildung und den Fangreisen zu den Heringsgründen, aber auch von den gesellschaftlichen Konflikten und individuellen Schicksalen.

 

Der Eintritt ist frei

Preise

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Termine

  • Am 02.05.2019 von 19:00 bis 21:00 Uhr

Veranstaltungsort

Märkisches Museum Witten
Husemannstr. 12
58452 Witten

Telefon02302-5812550
Telefax02302-5812569
E-Mailmaerkisches.museum@stadt-witten.de
Webseitehttp://www.maerkisches-museum-witten.de
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Barrierefreiheit

Allgemein barrierfrei Nein
Rampen vorhanden Ja
Aufzüge vorhanden Ja
Behindertengerechtes WC Ja
Rollstühle vor Ort Nein


Veranstalter

Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark Witten e.V.