Die Tradition

Eine fast 600 jährige Tradition kann die Wittener Zwiebelkirmes vorweisen, deren Ursprünge sich bis ins 15. Jh. zurückverfolgen lassen. Wie anderswo auch, hatte die Wittener Kirmes am Namenstag des Heiligen Ägidius (1. September) einen gleichermaßen religiösen wie weltlichen Charakter (Kirmes = Kirchmesse).

Eine Urkunde von 1464 berichtet, dass dem Umzug eines wundertätigen Marienbildes eine große sicher nicht zuletzt, weil diese Prozession auch von einem Jahrmarkt begleitet wurde, zu dem Händler aus nah und fern anreisten und rund um die Kirche ihre Waren anboten.

Die Ägidienkirmes - wie die Wittener Kirmes ursprünglich hieß - entwickelte sich zum größten Ereignis der Region, bei dem getanzt, gezecht und gevöllt wurde. 1835 schreibt eine Zeitung, man müsse über die ungeheure Menschenansammlung geradezu staunen. Es sei ein Schieben und Drängen und ein ohrenbetäubender Lärm in den engen Gassen: Brüllende Rinder, quiekende Schweine, blökende Schafe, alles übertönt vom „Halloh“ einer lebenslustigen Volksmenge. In Schaubuden und Zelten gab es Kuriositäten zu bestaunen, Quacksalber boten ihre Heilmittel feil und Wahrsager ihre Dienste an.

Die Ägidienkirmes fand zur Zeit der Zwiebelernte statt und in dem Maße, wie sich die Zwiebel zum Hauptverkaufsartikel der Kirmes entwickelte, wandelte sich im Volksmund die Bezeichnung von Ägidien - zur Zwiebelkirmes.

Ein Chronist berichtet, dass die Zwiebeln in so unermesslichen Quantitäten angefahren und zum Verkaufe ausgestellt wurden, dass die Zwiebelsackreihen bis in Fensterbrusthöhe ganz von der unteren Bahnhofstraße, beiderseits, und die Hauptstraße hinauf lagerten. Die schweren Säcke wurden von Mitgliedern der Sackträgergilde transportiert, die den Fuhrleuten beim Abladen ihrer Gespanne halfen und die begehrte Fracht überall dahin trugen, wo mit Pferd und Wagen kein Hinkommen war. Wie viele Fremde zur Kirmes in die um 1860 kaum 10 000 Einwohner zählende Stadt strömten, lässt sich nur erahnen: allein 14 000 verkaufte Eisenbahnbilletts und nicht abreißende Wagenreihen schon ab Morgengrauen.

Besonders charmant sieht auch die Zwiebelkönigin in Ihrer Tracht aus, die immer auf der Zwiebelkirmes dabei ist.

 

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